Freitag, 15. April 2011

Das Sommersemester, es fliegt!

Es ist bereits über drei Monate her, dass ich mich hier in meinem Blog zu Wort melde. Mittlerweile dürfte ich wohl selbst die hartgesottensten Leser verschreckt haben... Doch zum Glück kann ich von mir behaupten nicht ganz faul gewesen zu sein, schließlich habe ich in der Zwischenzeit einen fast 17-seitigen Bericht über meine phänomenale Rundreise durch Südostasien zu Papier bringen und online stellen können! Ich hoffe, dass der Bericht und die dazugehörigen Bildergalerien einigermaßen unterhaltend und informativ waren und sich der Aufwand gelohnt hat. Seit anderthalb Monaten bin ich nun wieder Peking. Was in dieser Zeit alles vorgefallen ist, möchte ich Euch an dieser Stelle berichten...


Meine neue "Kou-yu" Klasse
Der Frühling hat Einzug gehalten in China! Während in den ersten Tagen nach meiner Rückkehr Mitte Februar noch die Überbleibsel des letzten Schneefalls auf den Gehwegen Pekings zu bestaunen waren, erfreuen wir uns mittlerweile recht angenehmen Temperaturen von um die 15 Grad. Der sonst so heimtückische chinesische Winter scheint uns in diesem Jahr verschont zu haben. Doch genauso schnell wie die Temperaturen klettern verfliegt auch die Zeit! Das Sommersemester, das in meinen Augen gerade erst begonnen hat, hat beinahe seinen Zenit erreicht und geht gefühlt bereits seinem Ende zu. Unitechnisch gibt es gegenüber dem Wintersemester eigentlich kaum Neuerungen: Nach wie vor besuche ich strebsam jeden Tag meine Chinesischkurse, die mir zu meiner großen Freude deutlich leichter fallen als im letzten Jahr! Das spricht zweifelsohne dafür, dass ich hier einige Fortschritte erzielt habe (trotz nach wie vor bestehender Hürden). Außerdem habe ich meinen Grammatikkurs durch einen Business-Chinesisch Kurs substituiert, der zwar inhaltlich interessanter als sein Vorgänger ist, aber leider von einer Lehrerin geleitet wird, die uns Studenten wie 6-jährige behandelt. Eine echte Nervenprobe sag ich Euch.

Lehrer im Fach Schriftkunde
Auch die bereits von früheren Vorkommnissen bekannten bürokratischen und kulturellen Problemchen lassen sich nach wie vor beobachten: So wurde ich bei meiner Einschreibung Ende Februar mal wieder Zeuge der chinesischen Zerstreutheit. Diese äußerte sich darin, dass mir kein Mensch sagen konnte, wann, wo und ob überhaupt ich mich für das neue Semester einzuschreiben hätte und wann die Wahl der Wahlpflichtfächer stattfinden würde. Es gab schlicht und ergreifend nirgends brauchbare Informationen! Man schickte mich von einem Raum in den nächsten, bis ich schließlich da raus kam, wo ich angefangen hatte. Entnervt fuhr ich nach Hause und rief eine Freundin von mir an. Sie teilte mir dankenswerter Weise mit, in welchem Büro man mir einen Stempel in meinen Studentenausweis drücken würde und wie das weitere Prozedere aussehen sollte. In solchen Situationen wünscht man sich die gut organisierte wenn auch übermäßig komplizierte deutsche Bürokratie zurück.

Neben der Uni beschäftigt mich zurzeit vor allem die Suche nach einem Praktikum für den Sommer. Da ich Mitte Juni bereits meine letzten Prüfungen hier in Peking haben werde, liegt der Gedanken nahe, mir für die Zeit danach eine sinnvolle Beschäftigung zu suchen und damit vielleicht auch die Weichen für meine berufliche Zukunft zu stellen. Bisher habe ich mich vor allem bei großen Beratungsgesellschaften in Hong Kong beworben. Für den Fall dass das nicht klappen sollte, sehe ich mich auch in Deutschland nach interessanten Positionen um bzw. bewerbe mich initiativ bei Beratungen und Unternehmen, die im Bereich Finance unterwegs sind (letzteres habe ich als meinen Studienschwerpunkt für mein letztes Jahr in Tübingen auserkoren). Momentan ist also noch nicht ersichtlich, ob ich bereits Ende Juni oder womöglich erst Ende September zurück nach Deutschland komme. Ich halte Euch auf dem Laufenden! 


Abseits von Uni und Bewerbungsstress konzentriere ich mich zurzeit auf eine etwas gesündere Lebensweise, was sich vor allem in meinem neuen Fitnessplan niederschlägt: Dieser führt mich jede Woche drei bis vier Mal ins Fitnessstudio auf dem Beida-Campus, wo ich meine 5-8 Kilometer auf dem Laufband runter spule und versuche, durch Rudern und die vereinzelte Nutzung diverser anderer Geräte meinen Körper wieder einigermaßen in Form zu kriegen. Schließlich nimmt man hier doch deutlich mehr Fett und Kohlenhydrate zu sich als es einem lieb sein kann. Sobald der Sommer kommt, werde ich meine Bemühungen dann sicher in der "frischen" Pekinger Luft fortführen. Und apropos Sommer: An so herrlichen Tagen wie heute (blauer Himmel und Sonnenschein) möchte ich auf jeden Fall noch einmal die wichtigsten Attraktionen der Stadt besichtigen und mir ein wenig Zeit für meine Kamera nehmen, die ich seit meinem Urlaub mal wieder sträflich vernachlässigt habe. Freut Euch also auf neue Eindrücke aus der Verbotenen Stadt und dem Sommerpalast! Wer nicht so lange warten kann, sollte sich vielleicht meine neu eingerichtete Flickr-Galerie ansehen. Dort habe ich meine (subjektiv) besten Fotos aus den letzten vier Jahren veröffentlicht. Warum? Weil ich glaube dort einen größeren Kreis von Fotoenthusiasten zu erreichen und Feedback zu meinen Bildern zu bekommen. Das ist auf meiner Website in dieser Form bisher nicht möglich. Wen es interessiert, hier geht's zur Galerie. Ach ja, und falls Ihr ein Bild in meinen zahlreichen Galerien findet, von dem Ihr denkt, dass es auf jeden Fall zu den "Best of" gehört, lasst es mich wissen!

So, als letzten Punkt dieses Eintrags möchte ich noch kurz ein spezielles Ereignis Revue passieren lassen: Und zwar war ich am vergangenen Donnerstag mit ein paar Freunden bei einem Konzert des Berliner DJs Paul Kalkbrenner im Tango-Club in Beijing! Eigentlich bin ich ja kein großer Fan von Elektromusik, doch ich ließ mich überreden und habe es nicht bereut! Der Hype um den aus dem Film Berlin Calling bekannten DJ ist durchaus angebracht; er schafft es einfach seinen Songs eine individuelle Note mitzugeben und damit die Massen in Bewegung zu setzen. Der Club war brechend voll, teilweise konnte man sich keinen Zentimeter mehr bewegen. Doch das hielt uns nicht davon ab, bis spät in die Nacht durchzutanzen! Einziger Wermutstropfen war mal wieder die chinesische Desorganisation bei der Jackenausgabe: So mussten wir geschlagene zwei Stunden warten, bevor alle Kleidungsstücke ihren Besitzer wieder hatten...

Gut, ich habe es mal wieder geschafft, zwei Seiten mit mehr oder weniger nützlichen Informationen zu füllen. Wie gesagt, die kommenden Sommermonate werden vielleicht wieder ein wenig spannender. Am Dienstag wird in China das sog. Qing-Ming-Fest gefeiert, was soviel heißt wie Totengedenkfest. Aus diesem Grund haben wir am morgigen Montag frei, was ich dazu nutzen werde, ein wenig einkaufen zu gehen. Unter anderem müssen eine Jacke und ein neues Portemonnaie gefunden werden. In diesem Sinne wünsche ich ein schönes Wochenende und einen tollen Start in den Frühling! Wir hören uns. 


Update: Es hat tatsächlich noch geklappt mit der Foto-Tour durch Peking...
Sommerpalast


Verbotene Stadt


Das "Ei"

Freitag, 24. Dezember 2010

Chinesische Weihnachten

Das Weihnachtsfest in China zu feiern ist eine ganz neue Erfahrung für mich. Während in Europa und den USA bereits im Oktober die ersten Weihnachtsleckereien auf den Ladentischen zu finden sind, sucht man in China auch einen Tag vor dem Fest noch immer vergebens nach vorweihnachtlicher Stimmung. Natürlich findet man auch in Peking immer wieder festlich geschmückte Bäume oder Läden, aus deren Lautsprechern stimmungsvolle (zumeist amerikanische) Weihnachtssongs hallen. Doch es wird schnell klar, dass - anders als in der westlichen Welt - Weihnachten in China nur einen sehr begrenzten Stellenwert hat.

Vorweihnachtliches Peking
Vor einigen Tagen saß ich in einem kleinen Café unweit meiner Uni, wo ich mit Freunden zum Brunch verabredet war. Man muss dazu sagen, es war ein westliches Café. Brunch (insbesondere so ein ausgezeichnetes wie in dieser Lokalität) genießt in China nämlich eine ähnliche Bedeutung wie das Weihnachtsfest. Ich saß also in diesem Café. Es war gerade 10 Uhr und so langsam füllten sich die Tische um mich herum. Plötzlich klingelte ein Telefon. Einer der wenigen chinesischen Gäste zückte sein Handy, das zu meiner großen Überraschung einen weihnachtlich anmutenden Klingelton von sich gab, der sich bei genauerem Hinhören als "Jingle Bells" entpuppte. An sich wäre das keine große Sache. Doch ich empfand in diesem Moment in etwa die gleiche Verwunderung wie jemand, der im Juli eine Weihnachtskarte erhält. Es passte einfach nicht. Doch die Chinesen scheinen in dieser Hinsicht ein sehr adaptives Volk zu sein. Ob Weihnachten, Halloween oder Thanksgiving, ob westliche Musik oder englischsprachige Begriffe, vieles wird - ganz pragmatisch - gesellschaftlich assimiliert oder zumindest toleriert. Auch das ist China.

Gemütliche Weihnachtsrunde in meinem Wohnheimzimmer
Draußen herrschen winterliche Temperaturen und ein arktischer Wind zieht durch die Straßen Pekings. Schnee? Fehlanzeige. Während meines gesamten Aufenthalts hier hat es glaube ich zwei Mal geregnet, die Luft ist staubtrocken und der Himmel meist wolkenlos - alles in allem schlechte Voraussetzungen für eine weiße Weihnacht. Was also tun, damit das Fest nicht völlig unbemerkt vorüberzieht? Ich für meinen Teil habe mir einen Weihnachtsbaum gekauft, diesen wie zu Hause mit schlichter Beleuchtung, roten Kugeln und ein paar Sternen geschmückt und ein paar Freunde zum gemeinsamen Glühweintrinken eingeladen! Mein japanischer Mitbewohner Kenji war für einige Wochen nach Hause gefahren, sodass ich kein schlechtes Gewissen haben brauchte, mit 20 Leuten bis spät in die Nacht Lärm zu machen. Die Herstellung des Glühweins war schwieriger als gedacht, zum Ersten weil chinesischer Wein meiner Meinung nach ungenießbar ist und ich deshalb auf importierten und entsprechend teuren französischen bzw. kalifornischen umsteigen musste; zum Zweiten weil es in meinem Stockwerk keine Küche gibt, wo sich der Wein erhitzen ließe. Trotzdem war die "Party" ein voller Erfolg (wenn man mal von den Rotweinflecken auf dem Bett und an der Wand absieht). Ich hatte sogar die Gelegenheit, noch einige meiner Nachbarn besser kennenzulernen, die sich unverhofft zu uns gesellt hatten.

Und heute? Heute ist Heiligabend und ich werde mit Freunden gemeinsam kochen - ein italienisch/amerikanisch/französisch/englisch/deutsches Weihnachtsmahl soll es werden. Noch habe ich mich nicht entschieden, ob ich einen Kartoffelsalat oder doch lieber etwas anderes beisteuern werde. Doch der Tag ist schließlich noch lang. Am Samstag steht dann ein ausgedehntes Shoppingprogramm auf der Tagesordnung und dann sind es auch nur noch vier Tage Unistress plus vier Prüfungen in der ersten Januarwoche, bevor ich am 9.1. schließlich meine große Rundreise durch Südostasien antreten werde! Zusammen mit vier furchtlosen Mitstreitern werde ich die (Häuser-)Schluchten von Hong Kong und Singapur, den Dschungel von Kambodscha sowie die Strände und Nationalparks von Vietnam, Thailand und Malaysia unsicher machen!

Ich weiß, dieser Bericht war alles andere als lang und vielleicht auch weniger informativ als seine Vorgänger, aber ich muss zu meiner Verteidigung sagen, dass der vergangene Monat ziemlich stressig war und das Leben abseits der Uni relativ ereignislos verlief. Aber ich verspreche, dass ich im Februar umso mehr zu berichten haben werde! Bis dahin wünsche ich Euch allen ein frohes Weihnachtsfest, ruhige Tage im Kreise der Familie und natürlich einen gesunden und frohen Start in das Jahr 2011!

Dienstag, 16. November 2010

Es sind die Kleinigkeiten...

...die das Leben so interessant machen und eine andere Kultur so fremd erscheinen lassen können. Dies lässt sich besonders anschaulich am Beispiel Chinas illustrieren. Für viele Europäer ist und bleibt das Reich der Mitte ein Mysterium. Neben der exotisch erscheinenden Sprache sind es oft Gebräuche oder bestimmte Verhaltensweisen, die uns "nicht normal" erscheinen. Vieles davon lässt sich historisch begründen oder durch die gesellschaftlichen Umstände erklären. Anderes bleibt zumindest mir ein Rätsel...

Ei was haben wir denn da..?
Wenn Europäern beim Smalltalk die Themen ausgehen, blicken Sie meist aus dem Fenster und sprechen, na klar, über das Wetter. Chinesen sind da ein wenig anders gepolt. Für sie gibt es kaum etwas Wichtigeres als Essen! Kein Wunder, schließlich kennt diese Nation so viele Gerichte und verschiedene Zubereitungsarten, dass man als Laowai (chinesischer Ausdruck für Ausländer) gar nicht erst versuchen braucht, sich ein vollständiges Vokabular auf diesem Gebiet anzueignen. Das Problem an der Sache ist, dass man bei der Bestellung in der Regel nie weiß, was am Ende auf dem Teller liegt. Ich brauche nicht zu erwähnen, dass das in manchen Fällen auch von Vorteil sein kann! Fakt ist, in den allermeisten Fällen schmeckt das Essen ausgezeichnet! Wer jedoch absolut sicher gehen will, dass der zweite Gang weder Hund noch Schlange enthält, sollte vorher vielleicht die Zeichen für Schwein und Rind nachschlagen. In der Regel kann man damit nicht falsch liegen. Ach ja, dass alle Chinesen Hund essen ist übrigens ein Ammenmärchen! Ich habe es noch auf keiner einzigen Karte gefunden...

Aber warum komme ich überhaupt auf das Thema Essen? Nun ja, eigentlich wollte ich auf ein paar Unterschiede hinweisen, die mir in diesem Zusammenhang aufgefallen sind. Zum einen hätten wir da das Frühstück. Dass es in China (wie in den meisten anderen Ländern im Übrigen auch) unüblich ist, den Tag mit einem Stück Brot mit Käse oder Wurst zu beginnen, sollte kein Geheimnis sein. Auch dass man um Milchprodukte im Allgemeinen einen großen Bogen macht, ist bekannt. Warum Chinesen jedoch früh morgens fettige Teigtaschen verzehren, entzieht sich meinem Verständnis. Äußerst positiv finde ich jedoch die ausgeprägte Vorliebe für Früchte aller Art! Sei es im Supermarkt oder am Straßenrand, leckeres Obst kann man überall und zu jeder Tageszeit kaufen. Kürzlich habe ich gelernt, dass es sogar üblich ist, Südfrüchte als Geschenk zu Freunden oder Bekannten mitzubringen! Eine weitere Beobachtung wäre die, dass viele Chinesen zum einen sehr früh zu essen scheinen (wenn man mittags "erst" um 12:30 in die Mensa kommt kann man davon ausgehen, dass das Essen kalt ist) und zum anderen keinen großen Wert darauf legen, wie und wo sie das Essen konsumieren. Okay, Studenten haben es mitunter eilig. Dass sie jedoch ihr Essen im Stehen - mit dem Teller in der einen Hand und den Stäbchen in der anderen - zu sich nehmen, finde ich schon etwas bizarr.

Ich persönlich finde es auch irritierend, wenn man ein Restaurant betritt und die Kellnerin einem so lange über die Schulter schaut, bis man sich durch die gesamte Speisekarte gelesen und seine Wahl getroffen hat. Dies wird in China jedoch als guter Service angesehen. Weitaus schockierender war für mich die Erkenntnis, dass Servicekräfte (chin. 服务员 fúwùyuán, heißt soviel wie Diener) in Restaurants, Bars, Hotels oder auch Geschäften im wörtlichen Sinne wie Diener behandelt werden. Nicht selten hört man einen Gast lautstark "fuwuyuan" quer durch das Restaurant brüllen, weil es ihm mit der Bedienung nicht schnell genug geht oder er sonst etwas auszusetzen hat. Das gleiche Bild bietet sich mir auch regelmäßig in meinem Wohnheim: Plötzlich hört man einen Nachbarn (der diese meiner Meinung nach unverschämte Verhaltensweise wohl bereits übernommen hat) nach einem armen Fuwuyuan rufen, welcher womöglich gerade zwei Stockwerke tiefer mit der Reinigung der Duschen beschäftigt ist. Erstaunlich finde ich, dass sich diese Leute diesen Ton gefallen lassen. Ich vermute, dass das mit dem ausgeprägten Hierarchie-Bewusstsein dieses Volkes zusammen hängt, das sich aus den Lehren des Konfuzius ableiten lässt und das sich bis heute in den Köpfen manifestiert hat. Aber wie habe ich eingangs geschrieben, China ist und bleibt ein Mysterium...

Zum Thema "Servicekräfte" fällt mir noch eine andere Geschichte ein. In China gibt es die merkwürdigsten Minijobs! Der ein oder andere erinnert sich vielleicht noch an meinen USA-Blog, in dem ich die Zweckmäßigkeit eines Tüteneinpackers im Supermarkt diskutiert habe. Was in den USA der Tüteneinpacker ist in China der Sicherheitsdienst. Und mit Sicherheitsdienst meine ich nicht die mit Schusswaffen ausgerüsteten Polizisten vor Banken und öffentlichen Gebäuden, sondern Privatpersonen in Uniformen, die wahlweise in einem warmen Büro am Hauseingang oder in einer Telefonzellenartigen Box auf der Straße sitzen und einer mir bisher verborgen gebliebenen Beschäftigung nachgehen. Vor dem stets offenen und für jedermann zugänglichen Tor unseres Wohnheims sitzen zum Beispiel drei dieser Gestalten. Ein vierter steht meist vor der Haustür (die an sich keine Bewachung braucht, da sie nur mit einer Chipkarte geöffnet werden kann). Hin und wieder räumt dieser Herr den Fußweg von Fahrrädern frei. Meist sieht man ihn jedoch dösend in seinem Büro. Sehr eigenartig! 


An viele Dinge gewöhnt man sich in China recht schnell: Wenn ein Chinese heimlich auf der Straße ein Foto von mir oder einem meiner westlich aussehenden Freunde macht, ist das zwar nach wie vor merkwürdig, aber zumindest kommt es nicht mehr überraschend. Auch die Tatsache, dass die Männerquote in chinesischen Diskotheken stets oberhalb der 70 Prozentmarke liegt, habe ich zähneknirschend hingenommen. Woran ich mich jedoch wohl nie gewöhnen werde ist der alltägliche Wahnsinn im Straßenverkehr! Dass ich in Peking grundsätzlich keine längeren Strecken mit meinem Fahrrad zurück lege, hat nämlich einen Grund: Hier gilt das Recht des Stärkeren! Es wird gedrängelt und gehupt, Fahrspur und Fahrradstreifen verschmelzen zu einer Einheit. Es gibt zwar so etwas wie Vorfahrtsstraßen, aber wehe dem, der sich darauf verlässt. Selbst parkende Autos und geradeaus laufende Fußgänger stellen ein erhöhtes Verkehrsrisiko dar! Ohne auch nur einen Blick in den Spiegel oder über die Schulter zu werfen, wird die Fahrertür aufgerissen bzw. abrupt die Laufrichtung geändert. Dass ein solches Verhalten zu tragischen Zusammenstößen führen kann, kann sich jeder ausmalen. Mein besonderes Highlight in dieser Kategorie sind die Einheimischen, die glauben, die Kreuzung zweier vierspuriger Straßen einmal schräg mit ihrem Drahtesel überqueren zu können, ohne (beinahe) von einem Bus überrollt zu werden. Ganz ehrlich, so eilig kann man es doch gar nicht haben!

Damit bin ich auch schon am Ende meines Berichts angelangt. Wer bis zu diesem Punkt gehofft hat, ein bisschen mehr über das zu erfahren, was ich in den letzten Wochen in Peking so unternommen habe, den muss ich leider enttäuschen. Die Uni hat mich fest im Griff und wird mich voraussichtlich bis Weihnachten auch nicht mehr loslassen. Jede Woche Tests und Klausuren, Vorträge und Aufsätze. Das geht an die Substanz. Aber ich denke, solange noch Zeit zum Schreiben solcher Blog-Einträge, zum wöchentlichen Besuch des Fitnessstudios und der ein oder anderen Bar ist, braucht man sich um mich keine Sorgen zu machen. In diesem Sinne, lasst es euch gut gehen und bis bald!

Freitag, 24. September 2010

Die Schule ruft!

Bevor ich nach China kam hatte ich ein gewisses, von Vorurteilen geprägtes Bild chinesischer Schulen und Universitäten. Heute glaube ich, dass dieses Bild absolut und ohne Einschränkung die Realität widerspiegelt! 

Pagode auf dem Campus der PKU
Wenn ich meine Eindrücke hierzu in drei Wörtern zusammenfassen müsste, wären diese wohl Fleiß, Beharrlichkeit und Aufopferungsbereitschaft der hiesigen Studenten. In einem System, in dem Millionen von Schülern um wenige Plätze an den bekannten Universitäten konkurrieren, muss jeder sehen, wo er bleibt. Bereits im zarten Alter von 3 Jahren finden sich viele der Kids, deren Eltern es sich leisten können, in bilingualen Institutionen wieder, wo sie neben ihrer Muttersprache meist auch noch Englisch erlernen. Als wenn die Bewältigung Tausender chinesischer Zeichen nicht schon Aufwand genug wäre. Auch später wird es keinesfalls leichter, sich von der Masse abzuheben. Während in der westlichen Welt neben den akademischen Leistungen zunehmend auch soziale Kompetenzen, außerschulisches Engagement sowie Praxiserfahrungen über Erfolg und Misserfolg entscheiden, scheint dies in China noch wenig verbreitet zu sein. Natürlich gibt es auch hier unzählige studentische Gruppen, viele betreiben Sport oder gehen anderen Beschäftigungen nach. Doch das immense Arbeitspensum, das allein ich hier als Austauschstudent zu bewältigen habe, lässt mich ansatzweise erahnen, unter welchem Druck chinesische Studenten stehen müssen. Wenn man täglich von 8 Uhr morgens bis 11 Uhr abends in der Uni sitzt bzw. zu Hause Bücher wälzt, bleibt für sonstige Aktivitäten kaum noch Zeit. Akademische Titel sind hier die Eintrittskarte in eine bessere Zukunft. Dass man diese Zukunft teuer mit dem Verzicht auf ein ausgeprägtes Sozialleben bezahlt, nehmen die meisten wohl in Kauf.

Seit ich in Peking bin, empfinde ich diesen Aspekt der chinesischen Kultur bisher als den am schwierigsten zu verdauenden. Natürlich war und ist mir bewusst, dass ich einiges leisten muss, um sprachlich auch nur ansatzweise ein gutes Niveau zu erreichen. Doch hin und wieder vermisse ich doch das deutsche Unisystem, in dem man - trotz aller Kritik an der Bologna-Reform - noch vergleichsweise viele akademische Freiheiten hat und sich (von Hausaufgaben, stündlichen Tests und Anwesenheitskontrollen verschont) auf das konzentrieren kann, was man selbst als wichtig erachtet.


Zwei meiner spanischen Kommilitonen: Magda & Marina
Doch ich kann mich eigentlich nicht beschweren. An das Tempo in meinen Pflichtkursen habe ich mich recht gut gewöhnt; die Hausaufgaben und Diktate sind umfangreich aber machbar. Einzig der Grammatik-Kurs, den ich mir als mein Wahlpflichtfach ausgesucht habe, scheint zur Zeit noch eine unüberwindbare Hürde darzustellen: Man stelle sich ein Lehrbuch voller chinesischer Zeichen vor, ohne Umschriften und ohne Übersetzungshilfen, gespickt mit unzähligen funktionalen Begriffen und unbekannten Beispielsätzen. Jede Seite, deren Übersetzung mich mindestens eine halbe Stunde kostet, überfliegt der Lehrer in einer atemberaubenden Geschwindigkeit binnen weniger Minuten. Da freut man sich doch schon auf die Klausur...

Wudaokou Markt
Doch jetzt zu einem anderen Thema, schließlich sind seit meinem letzten Eintrag schon zwei Wochen vergangen und einige sind sicher schon gespannt, was ich abseits der Uni so erlebt habe. Nun, in meinen ersten Wochen hier habe ich einige größere Ausgaben getätigt, darunter für ein Fahrrad, ein Mini-Sprachcomputer und Tickets für meine erste längere Zugreise im Reich der Mitte. Doch der Reihe nach: Das Fahrrad hatte ich mir bereits in der ersten Woche zugelegt, weil man ohne Drahtesel fast 20 Minuten braucht, um einmal über den riesigen Campus zu laufen, was gerade früh morgens eher lästig ist. Dass ein Rad für etwa 30 Euro nicht viel hergibt, hätte ich eigentlich wissen müssen. Doch dass sich bereits nach einer Woche das erste Pedal verabschiedet und ich nach einer weiteren Woche sowohl einen platten Reifen als auch ein kaputtes Schloss auf die Mängelliste setzen muss, das habe ich dann doch nicht erwartet. Meine Hoffnung ist, dass zumindest der mühsam von 1100 Yuan auf 700 Yuan heruntergehandelte Sprachcomputer sein Geld wert ist. Ohne ihn könnte ich meine Hoffnung, meinen didaktisch so ausgezeichneten Grammatikkurs jemals zu bewältigen, wohl endgültig abschreiben. Ansonsten darf ich verkünden, dass ich am Freitag in einer Woche meinen ersten wohlverdienten Urlaub habe! In China sind vom 1.-10. Oktober nämlich nationale Ferien, die ich und 5 weitere abenteuerlustige Kommilitonen dazu nutzen werden, in die in Südchina gelegene Provinz Guanxi zu fahren. Wir werden 24 Stunden mit dem Zug unterwegs sein und, so meine Hoffnung, in einer anderen Welt wieder aussteigen (von den Rückenschmerzen mal ganz abgesehen). Ich möchte noch nichts verraten, aber die Natur in dieser an Vietnam grenzenden, von subtropischem Klima bestimmten Region soll absolut atemberaubend sein!

Auf einem Konzert im Zentrum Pekings
Ansonsten habe ich vor allem während der letzten beiden Wochenenden viel Zeit in den Bars und Diskotheken Beijings verbracht. So bietet etwa das nur wenige Fußminuten von der Uni entfernte "Wudaokou" einige nette Etablissements mit westlicher Musik und günstigen Getränken. Wer den Weg nicht scheut, feiert in dem im Nordosten der Stadt gelegenen Szeneviertel "Sanlitun". Doch auch Hauspartys wie kürzlich bei meinem englischen Kumpel Alex oder gemütliche Abende mit Billard, Darts und Tisch-Curling (in Begleitung spanischer, englischer, amerikanischer und französischer Kommilitonen) machen das Studentenleben hier doch sehr angenehm. Weniger gut lief da der am letzten Wochenende von mir, Timo (ein weiterer Deutscher), Rocio, Silvia und Diego (drei spanische Freunde) Trip in den "Underground" Pekings: Wir wollten zum sog. "Electric Forrest" Festival. Die Party stellte sich als totaler Reinfall heraus, da selbst der Taxifahrer das entlegene Industriegebiet, in dem das Event stattfinden sollte, nicht kannte, und sich der als "Lagerhaus" beschriebene Veranstaltungsort als größeres Wohnzimmer entpuppte, dessen leere Tanzfläche auch hart gesottene Partygänger nicht zum Verweilen einlud. Kurz gesagt, wir verließen den Ort des Geschehens nach einer Stunde wieder und verbrachten den Abend stattdessen in einer kleinen spanischen Bar in den als Hutongs bezeichneten, traditionellen Wohnsiedlungen nördlich der Verbotenen Stadt.

Nächste Woche findet hier im Übrigen ein Festival statt, bei dem wir als internationale Studierende gefragt sind. Jede Nation wird dazu einen Stand aufbauen und typische Speisen (es gibt hier nebenbei gesagt ein richtig gutes deutsches Restaurant, da werde ich bei Ansätzen von Heimweh wohl in Zukunft hingehen), Getränke, Traditionen, Sport und Musik präsentieren. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, da sich angeblich auch einige hochrangige politische Vertreter angekündigt haben. Ich für meinen Teil bin dafür heute den halben Tag durch Peking gefahren, um beim örtlichen Paulaner Brauhaus nach "Spenden" zu fragen und in einem der vielen Fälscher-Märkte nach deutschen Fußballtrikots zu suchen. Am Ende stand ich mit zwei mehr oder weniger guten Kopien für jeweils 70 Yuan (etwa 7-8 Euro) da. Und sobald ich diesen Artikel hier fertig geschrieben habe, werde ich ein paar schöne Bilder aus dem Deutschen Ländle raus suchen, mit denen wir unseren Stand dekorieren werden.

Ok, es gebe sicher noch das ein oder andere mehr zu erzählen, aber schließlich möchte ich nicht all mein Pulver mit einem Beitrag verschießen. Außerdem steht heute Abend noch ein Fußballspiel auf dem Unisportplatz an. Die Zeit rennt... In diesem Sinne, freut euch auf meinen nächsten Bericht, dann wahrscheinlich über die atemberaubenden Landschaften Südchinas! Bis bald.

Freitag, 10. September 2010

Bürokratische Hürden

Seit fast zwei Wochen lebe ich nun bereits in Peking, doch der flüchtige Blick aus dem Fenster meines Wohnheimzimmers schafft es dennoch mich zu überraschen! Im ersten Moment fällt es mir schwer zu realisieren, was genau es ist, das derartige Glücksgefühle in mir weckt. Doch je weiter ich mich der Fensterfront nähere, desto offensichtlicher wird es: Der sonst so allgegenwärtige Smog, der die Stadt in einen zähen, grauen Nebel zu hüllen scheint, ist einem Panorama aus klarer Luft, strahlendem Sonnenschein und blauem Horizont gewichen! Wie könnte man das Wochenende schöner beginnen?

Wochenende? An einem Freitag? Nun ja, als Student hat man hin und wieder das Glück, bereits einen Tag früher als üblich die Segel streichen zu dürfen und seine Zeit beispielsweise für einen Blog-Eintrag wie diesen zu nutzen...Was ist also passiert in der letzten Woche? Wenn ich die vergangenen Tage mit einer Überschrift versehen müsste, würde ich vermutlich "Chinesische Bürokratie in Reinform" als adäquaten Titel wählen: Am 1. September fand wie angekündigt die Einschreibung an der PKU statt. Ich stand in weiser Voraussicht vor dem erwarteten Ansturm hunderter Austausch-Studenten bereits um 8 Uhr morgens in der bis zu diesem Zeitpunkt noch übersichtlichen Warteschlange vor dem Tisch mit der Aufschrift "Registration - Long Term Program". An einem Duzend weiterer Tische konnten die neuen Studis Wohnheimsplätze reservieren, die obligatorische Krankenversicherung erwerben, den notwendigen Gesundheitscheck verifizieren lassen, Studiengebühren bezahlen oder alternativ ein Stipendium der chinesischen Regierung entgegennehmen. Mir war gar nicht bewusst, welch umfangreiche Vorteile mir die Partnerschaft zwischen der Beida und der Uni Tübingen bringen würden: Neben einem kostenlosen Platz im neu errichteten Wohnheim der Uni, dem Zhongguan Global Village, gewährt die PKU den internationalen "Stipendiaten" neben dem Erlass der Studiengebühren auch noch ein Lebensunterhaltsstipendium über 1000 RMB (etwa 100 Euro). Da sagt man nicht Nein.

Neue Freunde: Hannes, Timo, Jamal und Han Wei
Das oben beschriebene Prozedere dauerte übrigens fast drei Stunden. Wer meint, das höre sich ja gar nicht so schlimm an, lese bitte weiter: Wer als Student länger als ein halbes Jahr in China verbringen will, braucht ein sog. X-Visum. Abgehakt, hab ich. Was sich mir nach wie vor nicht erschließt ist, dass dieses für ein Jahr gültige Visum eigentlich nur 30 Tage zu gebrauchen ist. Im Anschluss daran muss man sich hier um eine "Aufenthaltsgenehmigung" bemühen. Dafür hat man sich in der Regel beim lokalen Polizeirevier anzumelden (schließlich soll ja niemand in der Großstadt verloren gehen). Als Bewohner des PKU-Wohnheims blieb mir dieser Gang erspart und ich durfte mit meinen Unterlagen gleich zum zuständigen Büro auf dem Campus, das diese Formalität für uns erledigen würde. Nun ja, nach einer halben Stunde in der Schlange sagte mir der Beamte gegenüber, ich bräuchte noch irgendein Formular von meinem Wohnheim, der Vertrag würde nicht reichen. Super dachte ich, hätten die mir ja auch sofort dort geben können. Ich laufe also wieder einmal quer über diesen riesigen Campus zurück zum Wohnheim, um den geforderten A5-Zettel abzuholen. Etwa 40 Minuten später finde ich mich in der Warteschlange des Visa-Bürokraten wieder, in der ich erneut eine halbe Stunde verbringe. Anstatt der erhofften Aufenthaltsgenehmigung bekomme ich den freundlichen Hinweis, dass mein Passbild nicht das erforderliche Format aufweise, ich dies aber beheben könne, indem ich im Supermarkt nebenan ein neues machen ließe. Ganz großes Kino denke ich mir, als wenn ich nach meiner letzten Campus Tour bei hochsommerlichen Temperaturen nicht ohnehin schon so aussehe als hätte ich gerade eine Dusche in Vollmontur genommen. Ich lasse also ein neues Passbild im China-Passport-Format machen und voila, der Beamte scheint zufrieden und zieht für einen Freundschaftspreis von umgerechnet fast 50 Euro (teurer als das ursprüngliche Visum) meinen Pass und meine sonstigen Unterlagen zur weiteren Bearbeitung ein.

Als weitere bürokratische Stolpersteine könnte ich die Beschaffung der Student-ID Karte, der Campus Karte, der Mensakarte, der Bibliothekskarte etc. beschreiben, aber ich glaube das würde hier zu weit führen. Wichtig ist an dieser Stelle, dass ich am Montag (überraschend) erfolgreich an einem richtig schweren Chinesisch-Einstufungstest teilgenommen habe und man mich trotz meiner miserablen Hör- und Sprachfähigkeiten in die Kursstufe "pre-intermediate" gesteckt hat. Nach den ersten beiden Stunden kann ich ein gemischtes Feedback geben: Der erste Kurs, der vor allem dem Erwerb von Vokabeln und dem Lesen von Texten dienen soll, ist richtig schwer! Die Lehrerin redet verdammt schnell, 75% der Vokabeln habe ich noch nie gesehen und irgendwie fühle ich mich stark überfordert. Das einzige was mich positiv stimmt ist die Tatsache, dass es fast allen anderen in dem Kurs auch so geht. Der zweite Kurs dient dem Training der Sprachfähigkeiten und er ist deutlich angenehmer als der erste. Die Gruppe scheint sprachlich sehr ausgeglichen zu sein und trotz umfangreicher Hausaufgaben freue ich mich bereits auf die nächste Einheit! Das dritte Element in diesem Semester bildet ein Wahlfach. Noch habe ich mich nicht entschieden, ob ich einen Grammatik-Kurs für Fortgeschrittene oder einen Business-Chinesisch-Kurs wählen soll, aber spätestens nächste Woche bin ich schlauer! Ansonsten werde ich mich wohl ausschließlich auf den Spracherwerb konzentrieren und keine weiteren Veranstaltungen an der hiesigen Management-School besuchen. Mal sehen, vielleicht schaffe ich das ja im Sommersemester.

Als Teil des Einführungsprogramms an der PKU
geht es erneut zur Chinesischen Mauer!
So, zum Schluss möchte ich noch ein paar Worte zu meinen "außercurricularen" Aktivitäten verlieren: Am letzten Wochenende habe ich mit ein paar neuen Freunden (die ich in einem meiner nächsten Einträge sicher noch genauer vorstellen werde) das nächtliche Peking unsicher gemacht. Es gibt in der Tat einige Ecken in der Stadt, wo man als Student ordentlich feiern kann. Am vorigen Freitag waren wir zum Beispiel in einem Club namens "Vics", der sich jedoch als einer mit überdurchschnittlich hoher Männerquote und ohrenbetäubender Musik entpuppte. Henry (ein Deutscher, den ich auf einer Campus-Tour kennengelernt hatte) und ich ließen uns davon nicht beirren und zogen mit unserem wohl etwas ungewöhnlichen Tanzstil und unter den argwöhnischen Blicken der umstehenden Chinesen die Aufmerksamkeit der Damen auf uns. Einen Tag (oder besser eine Nacht) später vergrößerte sich unsere bis dahin hauptsächlich aus Männern bestehende Gruppe um ein paar spanische Mädels, die Henry über eine Mailingliste der PKU ausfindig gemacht hatte. Nach einem leckeren Dinner in einem japanischen Restaurant machte sich unser Tross in das "Solutions" auf, einem kleinen Tanzclub gleich in der Nähe des Wohnheims. Ich will nicht zu viel verraten, aber es wurde eine lange Nacht :) Ich sage Euch, wenn das mal nicht zur Gewohnheit wird...

Okay, das soll es soweit gewesen sein. Ich schwing mich jetzt auf meinen neu erworbenen Drahtesel und schaue mir das Fitnesscenter der Uni an! Irgendwie muss man bei dem guten Essen ja in Form bleiben :) Bis bald!

Dienstag, 31. August 2010

Beginn einer spannenden Reise

Dieser Post bildet den Auftakt meines Blogs aus dem Reich der Mitte, genauer gesagt aus Peking. Hier werde ich fast ein Jahr lang leben und an der renommierten Peking Universität die Chinesische Sprache studieren. Wünscht mir Glück :)


Ankunft in Peking

Mein erster Bericht aus China lässt nicht lange auf sich warten. Ich sitze in einer kleinen Lounge in einem noch kleineren Hostel im Norden Pekings. Draußen herrscht dichter Verkehr, der Himmel wirkt durch die grauen Scheiben noch etwas trister als er in Wirklichkeit ist; und aus dem Radio tönen chinesische Balladen und eine Stimme, deren Worte mir zumindest jetzt noch absolut fremd vorkommen. Aber ich bin schließlich hier, um diese sprachlichen Unzulänglichkeiten aus dem Weg zu räumen...

Der Flug hierher hat mich ziemlich mitgenommen: Während es auf der ersten Teilstrecke vor allem das exzellente Unterhaltungsprogramm von Emirates Airlines war, dass mich von jedwedem Schlaf abgehalten hat, waren es auf dem Flug nach Peking die unzähligen kulinarischen Unterbrechungen sowie der unruhige Magen meines Sitznachbarn. Dazwischen lag ein vierstündiger Aufenthalt auf dem Dubai International Airport, welcher sich durch das Nicht-Erscheinen zweier Passagiere leider um eine glatte Stunde verlängerte. Aber, und das muss ich einfach hervorheben, der Start in einem A380 und der Komfort in diesem Flugzeug haben das alles wett gemacht! Anfangs dachte ich, dass es dieser riesige Vogel nie schaffen würde abzuheben. Die Beschleunigung war einfach nicht zu spüren und ich sah bereits das Ende der Startbahn auf mich zufliegen. Doch plötzlich waren wir in der Luft und auf dem Weg nach Peking!

Dort angekommen musste ich noch die obligatorische Visa- und Zollkontrolle über mich ergehen lassen und mit meinen wenigen Brocken Chinesisch nach dem besten Weg zur U-Bahn erfragen. Soweit, so gut! Ich glaube ich war der einzige "Weiße" in der Bahn, die zu allem Überfluss auch noch so überfüllt war, dass man sich kaum einen Zentimeter bewegen konnte. Dass ich mit meinen beiden großen Taschen die Attraktion schlechthin war, kann man sich vorstellen. Das letzte Abenteuer eines langen Tages führte mich schließlich zum PekingUni International Hostel, wo ich die ersten paar Tage meines Aufenthalts verbringen werde, bis ich einen Wohnheimplatz an der Beida (so nennen die Einheimischen die Peking Uni) ergattern kann. Ich hatte die Adresse des Hostels, doch eine Hausnummer zu haben und eine Hausnummer an die Fassade zu pinnen scheinen in China zwei unterschiedliche Paar Schuhe zu sein. Kein Taxi-Fahrer und kein Polizist war in der Lage mir zu sagen, in welcher Richtung ich das Hostel wohl finden könnte. Leider kannte ich auch nicht den chinesischen Namen des Hostels, was die Suche unweigerlich erschwerte. Jetzt bin ich hier, müde aber erleichtert. Es wird wohl einige Tage dauern, bis ich mich wieder an die örtlichen Gegebenheiten gewöhnt habe. Heute Nachmittag werde ich wohl (nach einer kurzen Mittagsstunde) den Campus erkunden. Morgen früh sind schließlich die Einschreibung und der Beginn des Einführungsprogramms. Drückt mir die Daumen dass alles klappt!